Expo2015 Mailand

Erlebnisreiche Expo 2105, Life-Musik am Mailänder Dom, leckerste Pizza, abgelaufene Schuhsohlen, erfrischend freundliche Menschen, Klein-Venedig und Erholung. Erlebnisreich Reisen an einem Wochenende. Ein Kurztripp mit Langzeitwirkung und definitiv: ein Besuch auf der Expo 2015 in Mailand lohnt sich!

Die Vorgeschichte

Einkaufsgalerie Vittorio Emanuele, Mailand2015-05-10 09.39.25

Mailand wir kommen! Die Entscheidung traf ich wenige Stunden vor Mitternacht. Dank informativ- und fotoreichlichem Internet schaffte ich es auch noch, einen Geburtstagsgutschein zu basteln. Ich hatte es gefunden: das perfekte Geburtstagsgeschenk für meinen 16-jährigen Sohn. Dafür hat sich stundenlanges Recherchieren im Internet gelohnt, denn das Geburtstagsgeschenk hatte ein paar knallharte Bedingungen zu erfüllen:

  • Es musste eine Reise sein
  • Terminvorgabe – von Freitagabend bis Sonntagabend (denn Schule geht vor) Anfang Mai
  • Und die wohl kompliziertestes Vorgabe mit Budgetlimit „sehr knapp“.

Entsprechend aufwändig war die Suche. Bei den Flugangeboten hatte Ryanair die Nase vorn und ich das Glück auf meiner Seite, denn der Flughafen Bergamo ist für Ryanair der „Italien-Hub“ und wird entsprechend viel und günstig angeflogen. Die Flugzeiten passten perfekt: am Freitagabend um 19h nach Mailand und am Sonntagabend um 17h zurück. Mittlerweile – und nach inspiriendem Browsen durch Webseiten hatte ich auch einen Plan: Freitagabend ankommen, am Samstag Mailands Shoppingmeilen erkunden und mittags zur Expo. Am Sonntagvormittag Mailands Zentrum und das Navigli Viertel erforschen. Zugegeben, ein etwas gewagter Plan, denn Pläne sind nicht so mein Ding und wir lassen uns auf Reisen lieber vor Ort inspirieren. Dennoch, ich nahm die Herausforderung an und entsprechend kompliziert gestaltete sich die Suche nach einem passenden Hotel. Denn dieses musste unbedingt bequem zu Fuss vom Bahnhof „Milano Centrale“ aus zu erreichen sein und gleichzeitig einigermassen bezahlbar sein. Bei Hostelworld.com habe ich diesmal leider nichts passendes gefunden. Es war schlichtweg zu kurzfristig und alles Bezahlbare bereits ausgebucht. Denn ja, ein Hotelschnäppchen war Mailand noch nie und 2015-05-10 07.58.0620150509_214623_Richtone(HDR)Grossveranstaltungen wie die Expo sorgen für satte Aufschläge bei den Preisen für Überachtungen. Zum Glück gibt es reichlich Portale im Internet und mein Computer hat meine Grosssuche mit zig geöffneten Webseiten samit laufenden Suchen brav mit gemacht. Fündig wurde ich bei booking.com. Das Hotel Kennedy passte ganz gut und ich liess mich von den wenig verlockend klingenden Bewertungen nicht abschrecken. Frei nach der Devise: dann wird die Übernachtung halt zum Abenteuer! Wir brauchen ja nur ein Bett. Flug gebucht, Bustransfer über Terravision.com, Hotel gebucht. Und direkt und schnell sammelten sich die Bestätigungsemails in meinem Postfach. Nun ging es zur „Feinarbeit“, denn zugegeben, ein Mailand-Kenner bin ich nicht, aber mit etwas Gespür, den passenden Suchbegriffen und Googlemaps zur Orientierung funktionierte das prima. Das Geburtstagsgeschenk war fertig, die leuchtenden Augen meines 16-jährigen Teenagers der beste Ansporn und die Vorfreude bis zum Abflug sonnig und genial.

Mein Plan darf seine Tauglichkeit beweisen

Strassenmusikanten in Mailand

Pizza in MailandIch liebe es, nur mit Handgepäck zu reisen. Das ist ein unglaubliches Gefühl von Freiheit und für ein Wochenende passt das Nötigste locker in einen bequem zu tragenden Rucksack. Einfach zum Flughafen fahren, durch die Sicherheitskontrolle marschieren und in das Flugzeug setzen und schwupp wird ein normaler Freitagabend zum Abenteuer. In Bergamo gelandet, kommen wir erst gar nicht dazu, unseren Bus zu suchen, denn der steht bereits gut sichtbar direkt vor dem Ausgang. Kurze Wege, einfach und einfach. Die Fahrt nach Mailand dauert ca. 50 Minuten und vergeht schnell – vor allem wenn sich Mutter und Sohn angeregt über Italien, Firmennamen und Reisepläne unterhalten. Am Bahnhof „Milano Centrale“ machen wir erst mal eine kleine Fotopause und bestaunen die beleuchteten Fassaden. Herrlich – Angekommen – Italien! Ach ja, wir sollten das Hotel suchen. Dafür kommen der ausgedruckte Google-Plan und der Orientierungssinn meines Sohnes zum Einsatz, denn ich wäre mal wieder zielsicher in die falsche Richtung marschiert. Mittlerweile ist es nach 22 Uhr und wir schlendern gemütlich in Richtung Hotel, vorbei an nett-aussehenden Restaurants, kleinen Kirchen und einladenden Plätzen. Wir sind etwas unentschlossen, ob wir noch einen Essensstopp einlegen sollen, denn unsere Mägen melden sich knurrend. Wir entscheiden uns, zuerst das Hotel zu finden und werden für unsere Hungerresistenz tatsächlich belohnt, denn ohne Hunger hätten wir „unsere“ Pizzeria nicht entdeckt. Das Hotel entpuppt sich als eines von drei Hotels in der sechsten Etage eines grösseren Gebäudes und ich gehe immer noch davon aus, dass unser gebuchtes Zimmer reichlich Galgenhumor von uns abfördern wird. Deshalb beschliessen wir, mit dem Klingeln zu warten und uns mit Proviant zu bestücken. Einmal über die Strasse und da wartet der perfekte Supermarkt für nächtlich ankommende Reisende mit grossem Durst. Mit Wasser und Saft beladen geht es wieder über die Strasse direkt zur Pizzeria. Zwei grosse, heisse und duftende Steinofenpizzen gesellen sich zu unserem Gepäck und spornen uns zu unserem ersten nächtlichen „Mailänder Treppenlauf“ über sechs Stockwerke an, denn bei kleinen Aufzügen kann ich zur grossen Zicke mutieren. Wir sind auf alles gefasst und umso glücklicher über den freundlichen Empfang. Unser erster Eindruck: sauber, frisch renoviert und einfach, so wie wir es mögen. Der Empfangsraum ist winzig, aber wir wollen ja auch nicht im Empfang schlafen. Wir bekommen das Zimmer mit der Nummer 13 – meine Glückszahl und ich habe wirklich mit allem gerechnet, aber nicht mit einer recht grossen Terrasse mit Blick über die Dächer von Mailand. Pizza mit Blick über das nächtliche Mailand – wir sind angekommen und glücklich!

Mailand am Wochenende 20150510_080114_Richtone(HDR)

Ein Samstag in Mailand

Ausschlafen fällt an diesem Wochenende ersatzlos aus – darüber sind wir uns einig und mit der Aussicht auf unsere Mailand-Entdeckungstour stellen wir unsere Wecker auf 7:30 Uhr!. Wachwerden und auf der Terrasse die ersten Eindrücke geniessen. Herrlich! Um kurz nach acht ziehen wir los. Die „Corso Buenos Aires“ fängt um die Ecke an. Wir wollen soviel sehen, dass wir beschliessen, zu Fuss zu gehen. Die „Corso Buenos Aires“ verbindet das Stadtzentrum mit den großen Industriegebieten im Norden von Mailand. Diese Strasse ist die größte Einkaufsstraße in Milano und eine der größten in ganz Europa. Hier geben sich vor allem die bekannten kommerziellen Modelabels ein Stelldichein. Wir sind nicht in kommerzieller Kauflaune und wollen zu die grossen Designer bestaunen.

Unser erstes Ziel – Designermode in der Via Montenapoleone

2015-05-09 11.05.46Gut, dass ich auf Reisen von Haus aus in bestgelaunter Luxusstimmung bin, sonst hätten mich jetzt die Schaufensterinhalte deprimiert, denn eins ist klar: wer hier vergnüglich einkaufen möchte, braucht ein fruchtbares Bankkonto. Meines hat leider die Buchstaben vertauscht und ist furchtbar. Nichts desto trotz, ein Bummel durch die Via Montenapoleone und die anlegenden Strassen hat an einem Samstagmorgen um 9 Uhr durchaus ihren Zauber. Kaum Menschen, fast alle Geschäfte noch geschlossen und viel Ruhe, um wunderschöne Schaufensterinhalte anzuschmachten. Bekannt ist dieses Viertel vor allem für die hier angesiedelten Mode- und Schmuckgeschäfte und wird auch „Quadrilatero della moda“ (Viereck der Mode) genannt. Namhafte Designer haben hier ihre Boutiquen und wetteifern um die Gunst der Geldbeutelinhalte – und das machen sie echt gut. Ich träume von Haute Couture und Prêt-à-porter à la Versace, Dolce & Gabbana, Louis Vuitton oder Valentino und überlege, wie ich an einen Sponsor für einen Juweleneinkauf in den Glitzerwelten von Cartier, Bulgari, Pomellato oder Tiffany’s komme.

Mailänder Dom und Hotspot der Selfie-Szene

Mailänder DomMailand, DomZum Glück ist auf unsere Mägen verlass. Knurrend holen sie uns in die Realität zurück, bevor – zumindest ich – noch auf dumme Gedanken komme. Jetzt wird es in der Stadt lebendig. Die ersten Touristenströme bahnen sich ihren Weg und wir suchen uns ein Café mit Aussicht auf das Strassengeschehen. Mailand am Morgen, mit Latte Macchiato und frischem Croissant. Bella Italia! Weiter geht es in die Innenstadt zum Duomo, den wir erst finden müssen. Aber welcher Mailänder kennt seinen Dom nicht? Also einfach und in wenigen Minuten sind wir da. Meine Vorstellung von einem eher schnuckeligen, historischem Zentrum entpuppt sich als Riesenplatz mit gigantischem Dom. Wow! So gross und gleichzeitig filigran. Der Mailänder Dom ist ein gotisches Meisterwerk, in das 40.000 Menschen passen! Klar, da hat auch Leonardo Da Vinci seine Fingerabdrücke hinterlassen. Mittlerweile scheinen sich alle Mailand-Besucher auf dem Domplatz verabredet zu haben und wir amüsieren uns köstlich über die Selfie-Gruppen Mädels und die „Für-Selfies-Handy-Stöcke“-Verkäufer. Natürlich machen auch wir unsere „Mailänder-Dom-Selfies“ und ich bekomme von meinem Sohn eine Gratislektion in Sachen Selfie-Fotografie. Mein Fazit: absolut lustig, aber vom Selfie-Profi bin ich noch meilenweit entfernt! Direkt vom Domplatz weg geht es in die Einkaufsgalerie Vittorio Emanuele. Auch Shoppingmuffel sollten sich dies nicht entgehen lassen, denn die Glaskuppel, die mehrere Strassen überdacht, ist so grossartig, dass die Geschäfte zur Nebensache werden, zumal uns der Spiegel-Pavillion in der Mitte zur nächsten Selfie-Aktion verführt.

2015-05-10 11.11.29Mailand, Shopping, SchuheWir liegen gut in der Zeit und wollen uns vor der Fahr zur Expo noch ein paar Outlet-Spots ansehen. Unsere Füsse mucken schon leicht auf und wir ahnen zu diesem Zeitpunkt zum Glück noch nicht, dass unser Plan zum Wandermarathon mutieren wird. Unser nächstes Ziel: Das Outlet10 in der Via Tazzoli beim Garibaldi Bahnhof. Ein Blick auf unseren schon recht lädierten Googlemaps-Ausdruck überzeugt uns, nun die Metro zur Hilfe zu nehmen. Wir kaufen ein 24h Ticket. Das kostet nur 4,50€ pro Person (eine Strecke mit der Metro kostet 1,50€) und erspart die lästige Ticketschaltersuche. Der im Umbau befindliche Garibaldi-Bahnhof fordert unseren Orientierungssinn heraus, aber wir bleiben hartnäckig und fragen uns durch. Tatsächlich finden wir die Via Tazzoli. Die Nummer 3 zu finden ist schon schwieriger und ein Outlet finden wir nicht wirklich. Stattdessen stehen wir in einem bezaubernden, wild bewachsenen Hinterhof, in dem ein grauhaariger Mann entspannt seine Zeitung liesst. Statt der erwarteten Designermode zu Schnäppchen-Preisen gibt es hier Antiquitäten und Gemälde. Eine wahrlich schöne Überraschung und wir sind ja flexibel. Am flexibelsten ist allerdings mein Sohn, der sich tatsächlich noch einen Abstecher zum Markt auf der „Viale de Fauché“ wünscht. Ein laut unserer Karte recht grosser Abstecher, denn wir mutig zu Fuss in Angriff nehmen. Hätte uns jemand gefilmt, wäre vorne im Bild ein hochgewachsener, zügig schreitender junger Mann zu sehen und mit reichlich Abstand eine hinterher trabende Mutter, die im Wiederhol-Modus „nicht so schnell“ keucht. Aber das Schicksal meint es gut mit fusslahmen Müttern, denn wieder mal muss ich nach dem Weg fragen und der freundliche ältere Herr mit seinem wackeligen Einkaufswägelchen weiss nicht nur, in welche Richtung wir gehen müssen, sondern bietet uns auch seine charmante Begleitung an. Damit wird unser Eiltempo auf Schleichgang reduziert. Perfekt für mich, um wieder zu Atem zu kommen. Und irgendwie kommen wir auch auf dem Markt an. Der Markt auf der Viale Fauché ist vor allem für die Damenwelt eine riesige Fundgrube. Schuhe und Klamotten in buntester Vielfalt von unterschiedlichsten Designerlabels. Es macht Spass, die italienische Damenwelt beim Mode-Fachsimpeln zu belauschen, denn obwohl Strassenmarkt, wird hier mit Stil und Klasse eingekauft. Für Herren ist das Angebot recht überschaulich und die Rollenverteilung ist klar: Männer sind beratendes Beiwerk und Geldträger. Die Traumschuhe meines Sohnes gibt es zum Glück nicht in seiner Grösse, denn die 60 Prozent Nachlass auf den Originialpreis der wirklich wunderschönen Design-Lederschuhe rücken den Endpreis von 240€ nicht wirklich in eine für mich erschwingliche Reichweite.

Strassenkünstler Mailand
Gemüsekunst – oder wenn die Karotte zur Blume wird

Am Ende des Marktes kommen wir auf einen Platz mit Strassenbahnhaltestelle samt auskunftfreundlicher Dame, die uns informiert, dass uns die Strassenbahn direkt zum Garibaldi-Bahnhof zurück bringt. Da wir uns nun die Expo-Vorfreude zur Eile antreibt, springen wir in die gerade ankommende Strassenbahn und verzichten darauf, nochmals zum Markt zurück zu gehen. Dummerweise hatte ich dort vor lauter Modestöbern das herrliche Angebot an frischem Obst und Gemüse vernachlässigt.
Unsere Strassenbahnfahrt führt uns durch Chinatown, dem Stadtteil von Mailand, in dem die meisten Passanten und Ladenbeschriftungen schlichtweg chinesisch sind. Wir liegen gut in der Zeit, lassen uns ein paar Durstlöscher aus dem, für mich nicht so praktischen Automaten, springen in die M2, um uns 2 Stationen weiter endlich in die M1 fallen zu lassen, die uns direkt zur Expo2015 bringt.

Expo 2015 – eine wahrlich wunderbare Weltreise

Expo2015 MailandExpo2015 MailandFrisch, neu und erschreckend gross empfängt uns die Endstation der M1. Gefühlte Kilometer lang eilen wir in Richtung Ausgang und Oberwelt. Kurz vor dem Eingangsbereich frage ich nach der Stelle für Journalisten Akkreditierungen. Sich hier durchzufragen ist äusserst einfach, ein fragender Blick reicht aus und schon steht ein Expo-Mitarbeiter vor uns und bezaubert uns mit seiner Freundlichkeit und der gewünschten Information. Expo-Mitarbeiter gibt es hier viele und sie sind leicht zu erkennen. Für uns heisst es jetzt vor dem Eingang nochmals umzudrehen, zurück in Unterwelt der Metrostation – dieser Ausdruck ist an dieser Stelle nicht so angebracht, weil diese „Unterwelt“ hell, freundlich, bunt und nagelneu aussieht – und die Akkreditierungsstelle suchen. Etwa zwanzig Mitarbeiter sitzen in dem hellen Grossraum vor neuen Computern und allerlei sonstiger Gerätschaft. Pass zeigen und schon werde ich königlich zur Presseausweisersteller-Abteilung geleitet. Platz nehmen und zuschauen, wie Foto und Informationen zum Presseausweis zusammen geschweisst werden. Fertig, fein und los. Noch schnell die Eintrittskarte für meinen Sohn gelöst, ohne Schlangenstehen und begleitet von noch mehr Freundlichkeit. Ohne Rücksicht auf unsere müden Füsse rennen wir sportlich zum Eingangsbereich. Kontrollcheck und wir sind drin. Erste Station das „Örtchen“, hier auf der Expo ein Hauch von feinst beduftetem und klinisch sauberem Luxus.

Expo2105 MailandExpo2015 MailandVor uns die Hauptallee in ihrer vollen Länge, das heisst sie sieht auf den ersten Blick unendlich aus. Rechts und links die Pavillons und damit die Qual der Wahl. Denn – alles auf der Expo an einem Tag zu sehen ist unmöglich! Trotzdem, auch ein Tag lohnt sich! Wir werden etwa sieben Stunden auf der Expo verbringen, von einem Erlebnis in das andere tauchen und unsere Schuhsohlen strapazieren.

Expo 2015: Immer der Nase lang, Entdecken und die bequemsten Schuhe der Welt tragen

Expo2015 MailandExpo2015 MailandAn dieser Stelle lasse ich lieber ein paar Fotos sprechen, denn die Expo2015 sollte jeder selbst für sich entdecken. Allerdings merke ich an, dass wir nicht in „kritischer Mission“ unterwegs waren. Es ist eine grossartige Ausstellung, auf der jeder Besucher auf seine Kosten kommen kann. Wir wollen wunderschöne Eindrücke sammeln und davon werden so viele geboten, dass ich mich in den wenigen Stunden nicht mit tiefergehenden Informationen auseinander setzen kann. Das Motto der Expo 2015 in Mailand heisst „Den Planet ernähren, Energie für das Leben“. Wer nun die Erwartung hegt, auf der Expo werden die Lösungen präsentiert, die Hungersnöte beseitigen, wird enttäuscht, aber das ist vielleicht auch eine etwas unrealistische Erwartung, denn auch Erfindungsgeist und „guter Wille“ sind Sklaven des politischen und wirtschaftlichen Machtgerangels . Wer allerdings seine fünf Sinne auf neugierig stellt, der bekommt viel zu Sehen, Fühlen, Hören, Sehen und Schmecken. Keine globale Lösung, aber unglaublich viele einzelne Errungenschaften und inspirierend anregende Visionen. Expo2015 MailandExpo2015 Mailand

Menükreationen per Tourscreen, vertikale Farmen, Präsentationen, die die Besucher durch Zeit und Raum reisen lassen und viele unterschiedliche, kulturelle Sichtweisen. Für mich ist die Expo 2015 eine unterhaltsame und lehrreiche Weltreise, denn wo sonst gibt es die Möglichkeit über 150(!) Länder an nur einem Tag zu bereisen. Wir schaffen es natürlich nicht, in jedem Land zu „landen“, aber von der Wüste mit ihrer orientalischen Kultur in wenigen Minuten nach Russland zu kommen ist klasse und auch auf der Expo ein kleiner Kulturschock, zumal wir in Russland zur Militärparade einlaufen und gleich danach im futuristischen Labor stehen. Korea ist wie eine Reise in die Zukunft. Holland ein buntes Markttreiben und in Dubai ist leider die Schlange an der „Grenze“ (Eingang) so lang, dass wir das Land zu unserem grossen Bedauern nicht besuchen können. Wir jetten stundenlang zwischen Europa und Asien hin und her, so dass die anderen Kontinente – zumindest ihr Innenleben – etwas kurz kommen.

Expo2015 MailandExpo2015 MailandBei der Besichtigung der Länder-Pavillons ist manchmal etwas Geduld erforderlich, denn die Warteschlangen können lang sein. Wir haben uns zuerst für diejenigen Pavillones mit kurzer Wartezeit entschieden. Viele Pavillons bieten auch Aussenflächen, die ohne Wartezeit genossen werden kann. Aber Anstehen lohnt sich, denn das Innenleben der Pavillons ist erlebenswert.
Unser Abschluss-Spass ist die Riesenhängebrücke über den Brasilianischen Regenwald, auf der mich der hüpfende Menschenschwarm zur schwankenden Verzweiflung bringt.

Das Navigli-Viertel oder Klein-Venedig in einer Stadt ohne Fluss – Ein halber Tag in Mailand in vollen Zügen geniessen

Navigli Viertel in MailandNavigli Viertel in MailandOh Wunder, unsere Füsse haben sich erholt und sind laufwillig. Nochmals mein geliebter Blick von der Terrasse über die heute total klare und sonnenhelle Stadt bis in die Berge. Bereits um 8 Uhr geht es in Richtung Mailänder Dom. Diesmal mit der Metro M1. Fast menschenleer wirkt der Domplatz noch grösser und so ganz anderes als am Vortag. Diesmal verlassen wir den Domplatz in Richtung Navigli Viertel. Wir brauchen gut eine Stunde bis wir dort sind, aber Schlendern, Fotografieren und der eine oder andere Abstecher in kleine Gassen brauchen ihre Zeit. Irgendwann frage ich mich, wo denn dieser Kanal sein soll. Häuser, Strassen und Plätze, aber wo soll da ein Fluss rein passen? Überhaupt ein Fluss in Mailand? Den gibt es tatsächlich nicht, denn ein Kanal ist nun mal kein Fluss. Das wird mir nun auch klar; wir wollen den Navigli Kanal finden und einen gleichnamigen Fluss gibt es nicht. Wir suchen die Überreste eines gigantischen Kanalsystems, das im 12. Und 13. Jahrhundert gebaut wurde. Denn klar, wie sonst sollten die Marmorblöcke im 13.Jh mitten in die Stadt auf den Domplatz kommen? Die kamen nämlich per Schiff und weil Mailand nun mal keinen Fluss hat, wurde ein Kanal zum Fluss Ticino (ca. 50 km von Mailand entfernt) gebaut. Der Hauptkanal reichte bis zum Domplatz. Dazu gesellten sich weitere und wieder staunen wir über den Erfindungsgeist von Leonardo da Vinci & Co. der es schaffte eine flusslose Stadt in die grösste Flusshafenstadt Italiens zu verwandeln. Wirklich hoch interessant, hier gibt es mehr Infos: http://www.milano24ore.de/sehenswuerdigkeiten/naviglio/. Leider wurde das gigantische Kanalsystem weitgehend in die Unterwelt verlegt, so dass wir heute trockenen Fusses auf Kanalsuche gehen. Der letzte Passant, den ich nach dem Kanal frage schaut mich etwas ungläubig an, denn nur 20m weiter stehen wir auf einer Brücke und sehen Wasser samt Flussschiff, dass gerade für eine Party geschmückt wird. Etwas weiter dann diese Kulisse!!

Navigli Viertel, Mailand2015-05-10 10.00.24Unseren Kanalfund muss mit einer Latte Macchiato belohnt werden und ich sehe grosszügig darüber hinweg, dass im Sportcafé die Kaffeemaschine gerade kaputt gegangen ist und ich mich mit einem lauwarmen Espresso begnügen darf. Ein Kaffee-und Durstlöscher-Stopp hat nun höchste Priorität, denn unsere Entdecker-Begeisterung hat uns an den Rande des Verdurstens und Verhungerns gebracht. Frisch gestärkt machen wir unseren Kanal-Spaziergang. Ein ganz anderes Gesicht der Stadt zeigt sich uns. Es ist mittlerweile 11 Uhr und in den Restaurants wird betriebsam für den Mittagsansturm eingedeckt. Beim nächsten Mal möchte ich das Navigli Viertel bei Abend geniessen. Hier gibt es so viele malerische Ecken, dass wir uns nicht satt sehen können. Und leckere Bäckereien, deren Duftwolken ich nicht widerstehen kann. Herrlich lecker, die frischen Croissants! So allmählich machen wir uns auf den Rückweg, denn ich habe noch den einen oder anderen Designer-Outlet-Stopp versprochen. Tatsächlich können sich geschröpfte Kreditkarten auch an einem Sonntag in Mailand nicht ausruhen. Viele Geschäft öffnen auch sonntags. Zurück fahren wir mit der Strassenbahn – wir haben ja unser 24h-Ticket. Rund um den Mailänder-Dom finden wir noch ein paar interessante Designer-Outlets zum Stöbern. Etwas Anprobieren, Schuhen, die nicht gekauft werden, nachtrauern und schon ist es Zeit an den Rückweg zu denken. Auf dem Domplatz gönnen wir uns noch ein leckeres Eis und drei sportlich gekleidete junge Männer, die aussehen, als wären sie zufällig vorbei gekommen zeigen, das Anschein und Sein selten übereinstimmen. Die drei sind meisterliche Geiger und verwöhnen uns mit ihrer klassischen Musik. Mit „unserer“ italienischen Abschieds-Sonate im Ohr steigen wir in die Metro und fahren Richtung Bahnhof. Das letzte Stück gehen wir zu Fuss und ich kann nochmals einen Beweis meines nicht existierenden Orientierungssinnes liefern. Aber einen unfreiwilligen Rundlauf und drei Wegfrageaktionen später, stehen wir vor dem Bahnhof Milano Centrale und unserem Bus. Entspannt, glücklich und reich an wundervollen Eindrücken treten wir die Heimreise eines traumhaften Wochenendes in Mailand an.

Reiseinfos in Kürze:

Flug: mit Ryanair – fliegt von vielen europäischen Flughäfen nach Bergamo

Bustransfer mit Terravision von Bergamo nach Mailand (Haltestelle Bahhof „Milano Centrale“) – ca. 50 Min. sehr bequem, Kosten 5€ pro Fahrt und Person. Das Busticket kann am Flughafen Bergamo oder im Bahnhof „Milano Centrale“ erworben werden, aber ich empfehle den bequemen Kauf per Internet.

Hotel Kennedy in Mailand (50m von der Metro 1 entfernt, ca. 15 Minuten zu Fuss bis zum Bahnhof „Milano Centrale“, wo auch die Haltestelle für den Bus nach Bergamo ist). Nicht erschrecken, das Hotel hat im Internet keine allzu guten Kritiken. Für uns war das Hotel aber eine positive Überraschung, denn die Lage war für unsere Pläne perfekt. Schräg gegenüber gibt es einen kleinen Supermarkt, der bis 24Uhr geöffnet ist und somit für Spätabendanreisende wie uns die Rettung ist. Wer ein Restaurant bevorzugt, hat die Wahl, direkt vor dem Hotel. Wir hatten das Zimmer Nr.13! Ein Glückstreffer! Frisch renoviert und mit einer wunderschönen Terrasse mit Blick über die Dächer von Mailand.

Spezieller Pizzatipp + sehr günstig: Direkt um die Ecke vom Hotel gibt es ein kleines Restaurant, das auch Pizza zum Mitnehmen macht. Super lecker, direkt aus dem steinernen Ofen. An der Theke bestellen, dem Pizzakünstler zuschauen und nach 5 Minuten die duftende Pizza mit nehmen. Für das perfekte Mitternachtsmenü auf dem Hotelbalkon! Pizzeria-Ristorante „The King“, Via Tadino, 13, Milano

Metro und Strassenbahn: Am besten ein Tagesticket (24h für 4,50 pro Person) kaufen, das gilt für Fahrten mit der Metro und der Strassenbahn im Zentrum. Die Tickets gibt es auch in den Zeitungskiosken der Metrostationen.

Expo2015: Leicht mit der Metro M1 zu erreichen (Richtung Rho Fieramilano). Die Eintrittskarten zur Expo gibt es direkt im Metro-Bahnhof. Einfach der Beschilderung folgen oder besser noch, das super-freundliche Personal fragen. Für die Fahrt mit der M1 bis zur Expo gilt das Tagesticket nicht! Am einfachsten ist es, die Fahrkarte direkt in einem der Zeitungskioske in den Metrostationen zu kaufen (5€ Hin- und Zurück pro Person)

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ACHTUNG: Wer auf Nummer sicher gehen will, bestellt seine Expo-Eintrittskarten im Internet, denn es gibt ein Besucherlimit und vor allem gegen Ende der Expo im September und Oktober kann es wohl vorkommen, dass die Expo2105 an manchen Tagen „ausverkauft“ ist.

Unsere Mailand-Highlights in Kürze:

Die Expo 2015 – Eine Weltreise für Erwachsene, Kinder, Paar, Single-Reisende.

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Mailänder Dom: Ohne viel Worte, wirkt für sich und ein Muss!

Das Navigli-Viertel: Das malerische Herz Mailands. Ein Hauch von Venedig mit vielen Museen, Geschäften und bezaubernden Restaurants. Der Spot für Künstler, Designer, den einen oder anderen Star und natürlich viele Touristen

Der Markt Viale Fauché ein Muss für Modefans. Kleidung und Schuhe der renommiertesten italienischen Designer zu stark reduzierten Preisen

Die „Corso Buenos Aires“, die grösste Einkaufsstrasse Mailands auf der die meisten kommerziellen und bekannten Labels zu finden sind.

Die Via Montenapoleone: Für Modefans mit gut bestückten Geldbörsen und alle, die die grossen Designerlabels „live“ bewundern möchten.

Und für unseren nächsten Mailand-Tripp:

Die Fiera di Sinigaglia: Jeden Samstagmorgen findet der Flohmarkt in der Viale D’Annunzio an der Anlegestelle statt. Mit einem riesigen Stöberangebot: indische, südamerikanische und afrikanische Kunsthandwerke, First- und Secondhand-Kleidung, alte Möbel, Parfums, Kerzen, Bücher, Comics, Schallplatten, Videos und DVDs.

 

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